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Gründer des Senioren-Literatur-Cafés Horst Juchhoff feiert seinen 90. Geburtstag

Gründer des Senioren-Literatur-Cafés Horst Juchhoff feiert seinen 90. Geburtstag

Gründer des Senioren-Literatur-Cafés Horst Juchhoff feiert seinen 90. Geburtstag

 

 

Am 24. Januar feiert Horst Juchhoff seinen 90. Geburtstag. Der pensionierte Studiendirektor am Leibnitz-Gymnasium in Buer, hatte 2006 die Idee, für interessierte Mitglieder und Gäste ein Senioren-Literatur-Café einzurichten.

 

Das Senioren-Literatur-Café bereichert seitdem die Angebotspalette des größten westfälischen Vereins im Sport der Älteren um einen wichtigen Aspekt: Die kreativen Angebote. Im sozialen Altensport gehören neben den sportlichen, auch kreativen, kulturellen, sozialen und geselligen Angeboten zu den Programminhalten. Er hat dieses Vorzeigeprojekt über viele Jahre entwickelt und geprägt.

 

Vor gut zwei Jahrzehnten sah sich der Philosoph Gerd Irrlitz veranlasst, darauf hinzuweisen, dass „Lesen“ bis weit ins 19. Jahrhundert hinein überwiegend „Vorlesen“ bedeutete – und zwar sowohl innerhalb der Familie als auch im halbprivaten Rahmen des aristokratischen oder bürgerlichen Salons, und in der Schule sowieso. Der Professor sah damals im Vorlesen eine aussterbende Kulturtechnik, die man günstigstenfalls noch Kindern gegenüber ausübe, und setzte sich ein für ihren Erhalt, weil stilles Lesen letztendlich doch etwas „Selbstsüchtig-Trauriges“ an sich habe. Dazu mag man nun stehen, wie man will; Fakt ist, dass das Vorlesen parallel zum Siegeszug der Hörbücher (und der Audio-Guides) derzeit eine unverhoffte Renaissance erlebt, die übrigens kaum, wie manchmal unterstellt, auf eine zunehmende Neigung zur Bequemlichkeit zurückzuführen sein dürfte. Vielmehr scheinen immer mehr Menschen festzustellen, dass der eindringliche, durchdachte Vortrag eines literarischen Textes bereits eine Interpretation darstellt, eine Interpretation, die man genießen, über die man aber auch – wie über die Form des Textes, über seinen Inhalt, seine Aussage – diskutieren kann.

 

Dass so etwas auch im Verein „Sport für bewegte Bürger“ möglich ist, ist in erster Linie Horst Juchhoff zu danken, der das „Literatur-Café“ ins Leben gerufen und bis 2015 geleitet hat. Sein Nachfolger, Dr. Jörg Judersleben, brauchte am bewährten Konzept nicht viel zu ändern: In jeder Saison, das heißt von September bis Juni, treffen sich die Literaturfreundinnen und -freunde unter den Vereinsmitgliedern, aber auch interessierte Gäste, an (fast) jedem 2. und 4. Montag im Monat, um 90 Minuten lang ihrer Leidenschaft zu frönen – und immer wieder festzustellen, wie vielfältig Literatur doch ist: Denn das immer pünktlich auf der jeweils ersten Zusammenkunft vorgestellte Programm enthält Abenteuerliches ebenso wie Kurioses und Visionäres, Populäres wie Abseitiges, Texte des klassischen Kanons ebenso wie Neuerscheinungen. Dr. Jörg Judersleben, der die Auswahl trifft und die Texte in familiärer Atmosphäre vorträgt, legt Wert darauf, dass nicht nur deutsche, sondern auch ursprünglich anderssprachige Werke in brauchbaren Übersetzungen eine gewichtige Rolle spielen; 2019/20 reicht das entsprechende Autorenspektrum vom Sherlock-Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle über den finnischen Humoristen Petri Tamminen bis hin zu Michel Houellebecq, Enfant terrible der französischen Gegenwartsliteratur, dessen neuester Roman „Serotonin“ sicherlich Anlass zur Kontroverse bieten wird. Auch wird regelmäßig eine kleine Themenreihe angeboten: Stand 2018/19 mit „Vienna Calling“ Wien als literarisches Zentrum auf dem Programm, so wird 2019/20 unter dem Motto „Zu Unrecht vergessen“ an Bücher erinnert, die es unbedingt verdient hätten, wieder einmal gelesen zu werden – wie etwa Johann Karl Wezels Gesellschaftssatire „Hermann und Ulrike“, die Christoph Martin Wieland einst als besten deutschen Roman überhaupt gepriesen hat.

 

Indes, so verschieden die vorgestellten Texte in thematischer und stilistischer Hinsicht auch sind, ein Grundsatz gilt für alle: Sie müssen vortragstauglich sein. Folglich nimmt es nicht Wunder, dass man zur „literarischen Vesperstunde“ eher traditionell erzählte Geschichten als (allzu) experimentelle Lyrik zu hören bekommt. Und weil es sich hier ohnehin um ein Literatur-Café handelt und nicht um ein literaturwissenschaftliches Seminar, bleibt auch genügend Zeit für Kaffee und Imbiss, Zeit zum Diskutieren und Plaudern. Dabei geht es durchaus nicht immer um Literatur, sondern oft auch um ganz persönliche Erfahrungen und Erlebnisse – an die sich zu erinnern freilich oft der gerade gehörte Text den Anlass bietet. Auch professionelle Autoren wie Dirk Juschkat und Titus Müller, der sich übrigens im seinem soeben erschienenen Essay-Band „Einfach mal spazieren gehen“ an seinen Besuch in Gladbeck erinnert, haben die Veranstaltungsreihe bereits durch Lesungen bereichert. Und nicht nur auf der alljährlichen Weihnachtsfeier kommen auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die selber schreiben, mit eigenen Texten zu Wort.

 

Das  Wappentier – neudeutsch: Icon – des Literatur-Cafés ist übrigens Pegasus, jenes geflügelte Pferd aus der antiken Mythologie, das sinnbildlich für die Dichtkunst steht, und die passende Parole findet sich bei Joseph von Eichendorff: „Ich hab ein Ross mit Flügeln / Getreu in Lust und Not, / Das wiehernd spannt die Flügel / Bei jedem Morgenrot.“ Jeder Gast ist eingeladen, sich auf dessen Rücken zu schwingen und 90 Minuten lang den Alltag zu vergessen – oder ihn aus veränderter Perspektive wahrzunehmen.

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Sport für bewegte Bürger Gladbeck e.V. - 04.03.2021